Aktionswoche Vielfalt Pferd 12.-20. September 2026 - Interview Juni 2026 - Katharina Roth „Es ist ein Quantensprung passiert!“

Foto: Katharina Roth 1. Vorsitzende im Interview mit Caroline Haaf in Hamburg - Fotograf: Nadine Pauls

Foto: Katharina Roth 1. Vorsitzende im Interview mit Caroline Haaf in Hamburg - Fotograf: Nadine Pauls

Ein kleiner Verein, der eine Riesenwelle macht: Vielfalt Pferd e.V. wurde im September 2024 gegründet, hat im vergangenen Jahr die erste bundesweite Aktionswoche ins Leben gerufen und entwickelt sich raketenhaft zu einer lauten Bewegung. Das Ziel: Mehr Akzeptanz, mehr Verankerung von Pferden in der Gesellschaft. Zur zweiten Aktionswoche ruft der Verein ganz Pferde-Deutschland (und darüber hinaus) von 12. bis 20. September auf.

 

Ein Gespräch mit der Ersten Vorsitzenden von Vielfalt Pferd, Katharina Roth:

 

• Katharina, Sie sprechen von einem Quantensprung bezogen auf die Entwicklung Ihres Vereins – inwiefern?

 

Katharina Roth: Insofern, dass wir letztes Jahr wirklich zunächst mühselig versucht haben, uns Gehör zu verschaffen und unser Thema zu erklären. Dieses Jahr sind wir schon fast überall bekannt. Wir haben Türen geöffnet und können mit den Menschen, Institutionen, Veranstaltern und Partnern ganz anders in Kontakt treten.

 

Eins muss ich klar betonen: Ohne unsere Partner, die uns von Stunde eins an großartig unterstützen, hätten wir das alles gar nicht so stemmen können. Die bundesweite Aktionswoche war zunächst eine Idee. Dass gleich im ersten Jahr 700 Aktionen und 50.000 Pferd-Mensch-Begegnungen stattfinden würden, war für niemanden einschätzbar. Aber diese Partner, die Globus Stiftung von Graciela Bruch und Claudia Heicke vom Fohlenhof, haben unsere Idee sofort verstanden und unterstützt – das war unser Startschuss. Sehr schnell ist auch die Firma Boehringer zu einem wichtigen Partner geworden. Ohne diese Partner wären wir jetzt nicht so weit, dass wir von einem Quantensprung sprechen können.

 

 

•  Wichtige Partner sind das eine, der andere wesentliche Bestandteil heißt Networking? Sie haben von ‚In Kontakt treten‘ gesprochen, heißt nicht zuletzt Kooperationen beschließen?

 

Katharina Roth: Genau, wobei es verschiedene Möglichkeiten gibt. Wir haben zum Beispiel mit dem BSI (Bundesverband der deutschen Sportartikel-Industrie) und dem Futtermittelhersteller EQUOVIS bekannt unteranderem mit den Marken Höveler und Derby direkte Kooperationen als Mitglieder und Förderer geschlossen. Einige weitere solcher Förderungen sind kurz vor der Unterschrift. Wir kooperieren außerdem eng mit den Messen spoga horse und EQUITANA. Der Chef der spoga horse, Bernd Voss, ist auch ein Botschafter von Vielfalt Pferd, steht dem Thema sehr offen gegenüber und hat uns die Möglichkeit gegeben, uns während der Messe dort auf einer Standfläche zusammen mit ‚Pferde für unsere Kinder‘ und der FN zu präsentieren. Auch bei der EQUITANA haben wir uns mit einem Stand präsentiert und durften uns im Podiumsprogramm vorstellen.

 

Wir haben auch von Anfang an den Austausch mit der FN gesucht – erst stießen wir durchaus auf Skepsis, aber in diesem Jahr hatten wir ein sehr konstruktives Meeting in Warendorf mit sämtlichen Abteilungsleitern und unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden Dr. Dennis Peiler. Da laufen wir jetzt auch gemeinsam in dieselbe Richtung.

 

• Sie erwähnten das Stichwort ‚Botschafter‘ – was genau bedeutet das?

 

Katharina Roth: Unsere Botschafter sind für uns äußerst wichtig. Das sind Menschen, die die Bewegung Vielfalt Pferd unterstützen und helfen, sie weiter zu verbreiten und immer mehr Pferdefans zu motivieren, bei der Aktionswoche mitzumachen. Wir sind ein kleiner Verein und machen alles ehrenamtlich. Wir haben lediglich eine Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle, Cathrin Sanders, die die Arbeit für mindestens zwei Personen erledigt. Wir sind darauf angewiesen, dass es möglichst viele Menschen gibt, die die Notwendigkeit genauso empfinden wie wir, dem Pferd wieder zu mehr Bedeutung in der Gesellschaft zu verhelfen. Je mehr wir sind, umso lauter können wir werden – für die Pferde. Wir haben inzwischen 46 Botschafter, eine herrliche Mischung aus Profireitern wie Ingrid Klimke, Katharina Hemmer und Anna Siemer, Para-Reiterin Gianna Regenbrecht, Dressurrichterin Nicole Nockemann, Künstlerin Anke Dinkelbach, Claudia Westerheide, die mit Pferden als Therapiepartner arbeitet, dem Dressurexperten Christoph Hess, Unternehmerin Kristina Sehr, Dr. Jörg Leitolf von ‚Lernen vom Pferd‘, Showreiterin Lisa Röckener, Geschäftsführer der EQUOVIS Olaf Krause und Islandpferde-Weltmeisterin Laura Enderes – um nur einige zu nennen. Man muss sich das so vorstellen: Wir haben ein Spinnennetz über Deutschland gesponnen, am Anfang nur mit ein paar dünnen Fäden. Mittlerweile ist es auch durch die Botschafter wirklich ein dichtes Gewebe geworden.

 

 

• Einen wichtigen Tag in diesem Jahr haben Sie breites Anfang Mai erlebt …

 

Katharina Roth: Ja, das war für uns ein weiterer Meilenstein. Wir sind zum Parlamentskreis Pferd nach Berlin eingeladen worden und haben dort unter anderem mit der Vorsitzenden des Parlamentskreises, Dr. Franziska Kersten, und ihrem Vertreter Dieter Stier über unser Thema diskutiert. Wir wollen das Pferd unbedingt auch politisch stärker sichtbar machen – dieses Meeting war ein erster wichtiger Schritt und das Interesse in Berlin fast überraschend groß.

 

 

• Man hat natürlich mehr Gewicht als Verein, wenn man schon so große Kooperationspartner nennen kann wie beispielsweise der BSI, wenn man bedeutende Botschafter hat, aber auch wichtige Mitglieder. Wie sieht es mit den Mitgliedern aus?

 

Katharina Roth: Wir haben aktuell 112 Mitglieder, das sind natürlich noch sehr wenig, weil das von Anfang an nicht unser Fokus war. Wir wollten lieber Mitmacher bei der Aktionswoche generieren, darauf liegt noch immer unser Schwerpunkt, aber, was ich ganz toll finde, inzwischen können wir 13 Sport- und Zucht-Verbände zu unseren Mitgliedern zählen – vom Pferdesportverband Hannover bis zur AG Deutsches Sportpferd, von Deutscher Galopp über die Stiftung Deutscher Voltigiersport bis zur Interessengemeinschaft Fjordpferd. Alle Verbände sind 2026 Mitglied geworden, alle waren erstmal abwartend, was auch völlig nachvollziehbar ist. Inzwischen werden wir proaktiv angesprochen – das ist ein weiterer Quantensprung.

 

 

• Hamburg, das Deutsche Spring- und Dressur-Derby, ein Megaevent des Pferdesports und ein ganz besonderer Moment für Vielfalt Pferd?

 

Katharina Roth: Das war wirklich ein großartiger Moment und eine riesige Überraschung. Wir haben den Kristallkraft Social Horse Award gewonnen, der mit 5.000 Euro dotiert ist. Vor der gewaltigen Kulisse von fast 20.000 Menschen standen wir am Sonntagnachmittag mit Daniel D´Amico, Nadine und Raimund Nitsche, den Menschen hinter Kristallkraft Pferdefutter, auf dem riesigen Derbyplatz und haben den Award in Empfang genommen. Das hat uns riesig gefreut. Dann kam es noch unglaublicher. Raimund Nitsche verkündete vollkommen überraschend: „Wir haben hier in Hamburg die Handelnden von Vielfalt Pferd etwas näher kennengelernt. Jetzt nehmen wir unser 20-jähriges Firmenjubiläum zum Anlass und verdoppeln den Award auf 10.000 Euro.“ Wow! Mit dieser Unterstützung können wir weiter im Hintergrund die Fäden ziehen, damit die zweite Vielfalt Pferd-Aktionswoche noch größer und gewaltiger wird und wir noch lauter für die Pferde werden können.

 

• Sie wollen ihre Aktivität aber nicht ‚nur‘ auf die Aktionswoche beschränken?

 

Katharina Roth: Nein, wir wollen auch beständig rund ums Jahr dafür sorgen, dass das Pferd wieder nahbarer wird. Wir wollen Chancen für niedrigschwellige Zugänge zum Pferd generieren. Wir haben einige Projekte ausgearbeitet, die dabei helfen sollen: Kinder in den Parcours, bei dem auf gezielte Parcoursführungen für Kinder abgezielt wird. Das ist ohne großen Aufwand auf jedem Turnier – vom Reitertag bis zum 5*-Turnier machbar. Ebenso die Kinder-Eskorten, die man schon auf vielen Turnieren inzwischen sieht und die regelmäßig von der Nürnberger Versicherungsgruppe organisiert werden. Kinder gehen mit in die Siegerehrungen, meist mit einheitlichen Veranstalter-T-Shirts ausgestattet, und tragen die Schleifen oder Ehrenpreise oder ähnliches. Etwas mehr Aufwand ist es natürlich, einen Kindertag im Rahmen eines Pferde-Events zu veranstalten, wie gerade beim Maimarkt-Turnier in Mannheim. Das sind nur drei Beispiele, noch viel mehr Ideen finden Sie auf unserer Website www.vielfaltpferd.com. Es zählen aber auch ganz kleine Gesten. Philipp Weishaupt hat am 1. Juni den Großen Preis in Hohen Wieschendorf gewonnen, ist in der Siegerehrung zu einem kleinen Mädchen geritten und hat ihm seine Schleife geschenkt. Das ist wunderbar – und ja – viele solcher kleinen Gesten helfen!

 

 

• Ein letzter Punkt: Sie beschränken sich nicht mehr nur auf Deutschland?

 

Katharina Roth: Jein (lacht). Wir können es nicht leisten, uns über Deutschlands Grenzen hinaus aktiv zu engagieren, aber wir werden teilweise aus dem angrenzenden Ausland angesprochen. Die Equinale ist ein Pferdefilmfestival, das im österreichischen Stadl Paura stattfindet. Sie haben uns gefragt, ob sie bei uns mitmachen können, weil sie in Österreich dieselben Probleme haben wie wir. Natürlich kann jeder mitmachen. Und einer von uns sitzt in diesem Jahr auch mit in der Jury bei der Equinale. So weitet sich das Spinnennetz immer weiter aus. Es liegen auch Anfragen aus der Schweiz und Luxemburg vor. Wenn ich ganz ehrlich bin: Wir haben es uns in unseren kühnsten Träumen nicht vorstellen können, wie groß das Spinnennetz schon geworden ist und wie rasant es weiterwächst. Und jeder Einzelne, der eine Miniaktion in der Aktionswoche beiträgt- und nicht vergisst diese auf der Deutschlandkarte einzutragen, denn nur so wird das Engagement auch sichtbar.

 

Ein Pferdebuch im Kindergarten vorlesen oder ein Nachbarkind mit zum Pony nehmen – alles und jeder hilft, um unsere gemeinsame Stimme für die Pferde sehr laut werden zu lassen. Das ist das Ziel.

 

 

Weitere Informationen und die bundesweite Aktionskarte unter www.vielfaltpferd.com.

 

PM

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