WM Aachen: Mannschafts-Weltmeister!

Marcus Ehning, Sophie Hinners, Daniel Deußer und Richard Vogel holen Gold

Die Entscheidung um die Mannschaftsmedaillen im Springen ist entschieden: Das deutsche Team um Bundestrainer Otto Becker mit Marcus Ehning und Coolio, Daniel Deußer und Otello de Guldenboom, Sophie Hinners mit Iron Dames Singclair sind noch vor dem Ritt von Richard Vogel mit United Touch S Mannschafts-Weltmeister mit nur 4,48 Punkten! Silber geht an das Team aus Belgien mit 11,69 Punkten, Bronze an Großbritannien mit 12,98 Punkten.

 

Marcus Ehning und Coolio mit super Auftakt

 

Erster deutscher Starter war Marcus Ehning. Sein 13-jähriger Holsteiner Coolio machte seinem Namen mal wieder alle Ehre und blieb cool. Ohne Fehler beendeten die beiden den Parcours. Das Publikum fieberte bei jedem Hindernis mit. Die Planke am Longines-Oxer wackelte, ein Raunen ging durchs Publikum. Auch die weiteren Sprünge wurden vom Raunen der Publikums begleitet, aber alles blieb liegen. Als er über den letzten Oxer flog, ging lautstarker Jubel durch das ausverkaufte Aachener Stadion. Die dritte Null-Runde für die beiden hier in Aachen und ein super Auftakt für das deutsche Team im finalen Springen. 

 

Marcus Ehning war nach seinem Ritt begeistert von seinem Coolio: "Er ist einfach unglaublich wieder gesprungen. Es war fast alles zu schön und zu gut und dann hab ich da am Ende noch so einen kleinen Bock reingebaut, aber er ist so bei mir und so konzentriert, da kann man als Reiter auch mal einen Fehler machen und man schafft es trotzdem."

 

Sophie Hinners "genießt" es ein bisschen zu sehrAuch bei Sophie Hinners und Iron Dames Singclair blieben alle Stangen liegen. Mucksmäuschenstill war es im Aachener Stadion, bei der letzten Kombination raunte das Aachener Publikum, aber nichts wackelte, nichts klapperte und alle Stangen bleiben liegen. Jubel. So ganz schaffte sie es allerdings nicht in der erlaubten Zeit, ein Zeitfehler kam auf das Konto der beiden. "Er sprang wieder fantastisch, ich würde fast sagen, dass er noch einen Ticken besser sprang als gestern. Ich bin ein bisschen zu sicher geritten und habe es zu sehr genossen, deswegen der eine Zeitfehler. Aber ich bin total stolz, wie er das wieder gemeistert hat, wie einfach er das gesprungen ist. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, sagte Sophie Hinners nach ihrem Ritt.

 

Daniel Deußer ohne Fehler - Gold ist sicher!

 

Daniel Deußer und sein Otello de Guldenboom bleiben genauso cool, wie die Teamkollegen vor ihnen. Sie hätten sich sogar einen Springfehler erlauben dürfen und das deutsche Team wäre trotzdem Weltmeister geworden. Aber sie blieben wie ihre Teamkollegen fehlerfrei, die Lautsträke im Stadion erreichte einen neuen Dezibelrekord. Deutschland ist Weltmeister und holt den Mannschaftstitel nach Hause! "Ich hatte Gänsehaut in der Arena. Als Deutscher hier  einzureiten, es ist eine unglaubliche Show. Es ist nicht zu beschreiben", sagte Deußer.

 

Schlussreiter Richard Vogel und sein 14-jähriger Westfale United Touch S von Untouched ritten schon als Mannschafts-Weltmeister ins Stadion ein. Wie die drei Teamkollegen zuvor blieben auch die beiden ohne Springfehler. Allerdins wurde auch bei ihrer Runde durch den Parcours die Zeit knapp, zwei Zeitstrafpunkte standen am Ende auf der Anzeigetafel. Für das Mannschafts-Ergebnis unwichtig - für die Einzelwertung am Sonntag zwei möglicherweise teure Fehler. "Wir hatten schon den Titel als wir eingeritten sind. Es war schwer sich zu konzentrieren, denn ich war der glücklichste Reiter als ich mich auf United gesetzt habe", erklärte Richard, wie schwierig es für ihn war, sich nochmal zu fokussieren, als Gold schon sicher war. 

 

Bundestrainer Otto Becker ist sehr stolz auf sein Team und sagte: "Irgendwie fühle ich mich, als wenn ich jetzt gerade ein paar Zentimeter gewachsen wäre, so gut wie die alle geritten haben. Ich bin überwältigt, mir fehlen die Worte, was das Team hier geleistet hat. Das war ein richtiges Team, die Vier, wie sie sich hier präsentiert haben, jeder hat seine Runden dazu beigesteuert. Wir wissen, die Null-Runden sind wichtig und wir haben sie geliefert." 

 

"Nie im Leben", sagte Otto Becker auf die Frage, ob er damit gerechnet hätte, dass das deutsche Team mit so einem Vorsprung gewinnt. "Wir haben ja gesehen am ersten und zweiten Tag, wie knapp das alles ist. Aber wie die Vier hier konzentriert geblieben sind, dem Druck Stand gehalten haben in diesem unglaublichen Umfeld mit diesem unglaublichen Publikum - ich bin echt überwältigt und echt stolz auf das Team. Es waren harte Wochen, auch für mich persönlich, die hinter unter uns liegen. Weltmeister zu werden ist was ganz Besonderes. Ich hatte ja das Glück, das schon mal zu erleben, in Kentucky vor 16 Jahren und das jetzt hier vor heimischem Publikum in dieser Atmospähre und die Art und Weise, wie die hier geritten haben, Hut ab vor diesem Team", so der Bundestrainer.

 

Damit hat das deutsche Team auch die Olympia-Qualifikation für Los Angelos 2028 direkt erreicht, da sich die besten sieben Teams der WM die Olympia-Qualifikation sichern. 

 

Einzelwertung: Drei deutsche Reiter in den Top-FiveAuch für die Entscheidung um die Einzelmedaillen am Sonntag haben die deutschen Springreiter jeweils sehr gute Ausgangspositionen: Daniel Deußer  führt punktgleich mit dem Schweizer Steve Guerdat und Dynamix de Belheme, beide hatten im Zeitspringen am Mittwoch extakt die gleiche Zeit und haben beide nur 0,86 Strafpunkte auf ihrem Konto. Hinter den beiden auf Rang drei liegt der Brite Ben Maher mit Point Break mit 1,01, gefolgt von Marcus Ehning und Coolio auf Rang vier mit 1,78 Strafpunkten und Sophie Hinners und Iron Dames Singclair auf Rang fünf mit nur 1,84 Punkten. Aber auch Richard Vogel und United Touch S sind mit ihren 5,38 Strafpunkten zwar auf Rang 14, aber nur wenig mehr als einen Springfehler von den vorderen Plätzen entfernt. Am Sonntag stehen noch einmal zwei Umläufe auf dem Programm, die besten 25 dürfen um die Einzelmedaillen reiten. Nur die besten zwölf Paare ziehen allerdings in den entscheidenden zweiten Umlauf ein. Weltmeister in der Einzelwertung ist der Reiter mit der geringsten Strafpunktzahl nach allen Prüfungen - Zeitspringen, Nationenpreis und Einzelfinale.

 

Insgesamt gingen 70 Paare in den 580 Meter langen Parcours mit 14 Hindernissen und 17 Sprüngen. Parcoursbauer Frank Rothenberger durfte die höchste Stange je Sprung auf einer maximalen Höhe von 1,65 Meter auflegen. Im Finale galt es erstmals bei dieser WM einen Wassergraben zu springen und zwar direkt nach der dreifachen Kombination.

 

Alle Infos zur WM in Aachen, den deutschen Teams, TV-Zeiten und Bilder gibt es unter www.pferdesport-deutschland.de/wmaachen202

 

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