Zwei von vier Paaren des deutschen Para-Dressurteams sind gestartet
Einen kompletten Medaillensatz in der Einzelwertung haben die deutschen Para-Dressurreiter bereits. Nun geht es bei den Weltmeisterschaften in Aachen auch um die Teamwertung. Am Freitag und Samstag treten die in fünf Grades – nach Grad der Einschränkung – eingeteilten Teilnehmer im Para Grand Prix B an. Pro Nation starten vier Reiter, wobei maximal zwei demselbeneinem Grade angehören dürfen. Mindest ein Teammitglied muss in Grade I, II oder III starten. Erst mit der letzten Gruppe entscheidet sich daher endgültig, wer Teamweltmeister 2026 wird.
Schon am Freitagabend – nach den Grades I, II und III – zeichnete sich allerdings ein enges "Rennen" zwischen den Teams aus den USA, Niederlanden, Dänemark und Italien ab. Die deutsche Mannschaft hatte mit Heidemarie Dresing einen guten Start, die übrigen drei Reiter greifen erst heute ins Geschehen ein. Als Erste konnte Regine Mispelkamp mit 75,737 Prozent fürs Team "abliefern". Weitere Startzeiten.
- 14.09 Uhr: Helen Brandt (Grade IV) mit Vulkan Vegas IB
- 14.45 Uhr: Anna-Lena Niehues (Grade IV) mit Vive L'Amour.
Unglaubliche 20 Nationen bewerben sich in Aachen um die Medaillen in der Teamwertung – noch einmal vier mehr als bei der letzten WM in Herning und den Paralympics in Paris. Als Titelverteidiger treten die Niederlande an, in Paris hatten die US-Amerikaner die Nase vorn, und bei den Europameisterschaften 2025 sicherte sich die deutsche Equipe die Goldmedaille – die erste, seit der Para-Dressursport offizielle FEI-Disziplin ist.
Grade V: Mispelkamp hält Team auf KursFrüh am Samstagmorgen betraten Regine Mispelkamp und Highlander Delight’s das Aachener Dressurstadion. Der imposante Dunkelfuchs zeigte sich entspannter als noch in der Einzelwertung, in der das Paar Bronze gewonnen hatte. Mit seiner Vorstellung kam es dicht an seine Bestleistung im Para Grand Prix B heran und steuerte 75,737 Prozent zum Teamergebnis bei. „Es war toll! Ich habe zwischendurch gedacht: Warum habe ich es am Donnerstag nicht so hinbekommen? Aber er war einfach toll, er hörte mir zu. Einmal kurz, als wir reinkamen, schaute er ein bisschen in die Ecke, und dann habe ich gesagt: Alles gut, alles gut“, sagte die Deutsche Meisterin. „Er hat einfach mega mitgemacht.“
Nicht nur das Pferd wirkte lockerer, auch die Reiterin, die beim Reiten häufig sehr konzentriert und ernst wirkt. „Ich versuche immer zu lachen, das fällt mir nicht so leicht, wenn ich mich konzentriere. Also versuche ich, es besser hinzubekommen“, sagte sie. „Der Druck war heute eigentlich genauso groß: Wir wollen natürlich eine Medaille gewinnen und müssen abliefern. Die anderen haben schon stark vorgelegt, teilweise sind bereits drei Reiter durch, und wir müssen Gas geben, müssen alles herausholen, was möglich ist. Das habe ich versucht."
„Das war wirklich eine tolle Runde, ich bin sehr zufrieden“, betonte auch Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer. „Das hilft uns auf jeden Fall deutlich weiter. Nichtsdestotrotz liegen die anderen Nationen eng beieinander, das wird mit Sicherheit bis zum Schluss spannend.“
Teamwertung - Stand nach Grade II, I, III und VMit dem Ende der Prüfung der Grade-V-Reiter stehen die Ergebnisse von neun der insgesamt 20 Teams bereits fest. Mit Spannung erwartet wurde insbesondere der Aufritt der niederländischen Schlussreiterin Britney de Jong. Die frisch gebackene Vizemeisterin, die bis zu einem Unfall auch international aktive Cheerleaderin war, hatte einen Patzer im starken Trab, als ihr Caramba N.O.P. versehentlich angaloppierte, und erzielte am Ende 74,605 Prozent. Mit einem Endstand von 227,639 Prozent legten die Titelverteidiger die Messlatte erst einmal hoch.
Zwischenstand nach vier von fünf Grades: Niederlande: 227,639 Italien: 220,808Norwegen: 211,878Belgien: 207,883 Singapur: 204,292Brasilien: 203.891Tschechien: 199,083 Japan: 193,933Hongkong: 186,567 FREITAG
Grade II: Dresing und Poesie machen den Anfang Den ersten Auftritt fürs deutsche Team hatten die frisch gebackene Grade-II-Weltmeisterin Heidemarie Dresing und ihre Oldenburger Rappstute Poesie (v. Fürstenball). Dieses Mal ungestört von lauten Geräuschen zu Beginn, lieferten die beiden eine harmonische und nahezu fehlerlose Aufgabe ab, wenn auch noch etwas unter ihren Möglichkeiten: „Die beiden haben wieder eine tolle Runde gezeigt. Allerdings war Poesie doch noch ein kleines bisschen angespannt. Man hat schon gesehen, dass sie die Erfahrung vom ersten Tag noch nicht ganz abgeschüttelt hat. Das Halten am Anfang hätte etwas länger sein können, aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau!“, sagte Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer.
„Mein großes Ziel war ja Einzel-Gold. Das habe ich erreicht, von daher ist es jetzt ein bisschen entspannter. Auf der anderen Seite gilt: Wenn man für die Mannschaft startet und auch vorlegt, dann möchte man natürlich auch nichts verschenken“, sagte Heidemarie Dresing nach ihrem Ritt. Wäre der Schreckmoment der ersten Prüfung während des Mannschaftsritts aufgetreten, „wäre ich wahrscheinlich nervöser gewesen. Das war im Prinzip ja nur für mich. Heute habe ich einfach gedacht: Ich muss sehen, dass ich viele Punkte bekomme. Und das ist mir ja gelungen. Von daher ist das, was ich mir vorgenommen habe, erfüllt.“
Teamwertung – Stand nach Grade IIAls erste deutsche Starterin bringt Heidemarie Dresing 77,733 Prozentpunkte fürs deutsche Team ein. Besser als sie war nur die dreifache Paralympics-Siegerin Fiona Howard, die nach einem nicht ganz gelungenen Start in der Einzelwertung – Platz vier – mit dem Hannoveraner Diamond Dunes 79,3 Prozentpunkte sammelte und das Team USA nach der Prüfung der Grade-II-Reiter vorerst in Führung brachte. Dritte in Grade II wurde Katrine Kristensen mit Goerklintgaards Quater. Sie sammelte 76,167 Prozentpunkte für das dänische Team.
Teamwertung - Stand nach Grade II und INach dem Para Grand Prix B der Grade I-Reiter konnten die US-Amerikaner ihre Hoffnungen auf eine Medaille weiter ausbauen, denn auch hier stellten sie mit Marie Vonderheyden die Siegerin. 76,375 Prozent bringt die 26-Jährige für das Team mit. Ihr Pferd, der neunjährige Oldenburger Fan Tasitico H, trug mit Roxanne Trunnel im Sattel bereits zum Paralympics-Gold der USA in Paris bei. Ebenfalls gut unterwegs waren Mari Durward-Akhurst mit Athene Lindebjerg für Großbritannien (74.583 Prozent) sowie die Italienerin Sara Morganti mit der siebenjährigen Hannoveraner Stute Bond Girl (v. Bon Coeur) mit 74,083 Prozent.
Ein erstes Endergebnis gibt es für das tschechische Team: 199,083 Prozentpunkte. Die Tschechen sind nur mit drei Reitern der Grades I und II am Start und haben daher kein Streichergebnis.
Teamwertung - Stand nach Grade II, I und IIIMit der amtierenden Grade III-Doppeleuropameisterin Rixt van der Horst und dem elfjährigen Westfalen Eisma's Royal Fonq N.O.P. kamen viele Punkte auf das Konto des niederländischen Teams: 78,467 Prozent gab es für sie, dazu 74,567 Prozent für ihre Teamkollegin Tessa Baaijens-Van De Vrie, die mit Happy Grace Platz vier in dieser Prüfung belegte. Das "Finale" an Samstag mit den Grade IV- und Grade V-Reitern verspricht ein enges „Rennen“ zwischen den USA, den Niederlanden, aber auch Dänemark, Italien und hoffentlich auch Deutschland, die anders als die vier anderen Nationen allerdings erst ein Paar am Start hatten. Der dänische Grade-III-Reiter Tobias Thorning Joergensen wurde Zweiter sammelte mit Blue Hors Zackorado 77,067 Prozent für sein Team, die drittplatzierte italienische Reiterin Francesca Salvadè kam mit Escari auf 75,267 Prozent.Am Ende des Tages wissen nur drei Teams bereits ihr Endergebnis sicher, da sie mit drei Reitern am Start sind und daher auf kein Streichergebnis zurückgreifen können. Es sind dies: Singapur mit 204,292 Prozent, Tschechien mit 199,083 Prozent sowie Hongkong mit 186,567 Prozent. Eines ist allerdings schon klar. Mit diesen Ergebnissen werden sie nicht in den vorderen Reihen mitmischen. So haben die USA als aktuelle Spitzenreiter jetzt schon 229,741 Punkte auf dem Konto. Daraus kann sogar noch mehr werden, falls das momentane Streichergebniss durch ein noch besseres Ergebnis des letzten Teamreiters am Samstag ausgetauscht wird.
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