Wissenswertes und Kurioses aus den Anfängen des Bundeschampionats
Vom 25. bis 30.August finden in diesem Jahr die Al Shira’aa Bundeschampionate in Warendorf statt. Seit mehr als 30 Jahre lang gastiert das „Schaufenster von Pferdezucht und -sport“ bereits in Warendorf. Die Ursprünge liegen aber noch deutlich weiter zurück. Sie begannen mit dem Reitpferde-Championat und halten manche interessante Geschichte parat. Wussten Sie eigentlich….?
… wann erstmals ein Hengst Bundeschampion wurde?
In den ersten Jahren dominierten Stuten und Wallache das Feld. Der erste Bundeschampion auf dem Reitpferdeviereck war der Westfale Urofino. 1986, zehn Jahre nach der Geburtsstunde des ersten Reitpferde-Bundeschampionats in Münster, setzte sich der „Privathengst“ v. Usus – Dreher aus der Zucht von Bernhard Schulze-Welling aus Laer (Reiter: Reinhold Schlüsselburg) durch. Mit dem Titel Privathengst bezeichnete man zu dieser Zeit Deckhengste von privaten Stationen und Gestüten, um sie von den Landbeschälern zu unterscheiden, die in einem staatlichen Haupt- und Landgestüt im Einsatz waren. Auch die Körung war damals noch eine Angelegenheit des Staates. Übrigens: Urofino war nach seinem Sieg auch erfolgreich in der Zucht: 1993 folgte Sohn Ustinex seinem Beispiel und wurde Bundeschampion der fünfjährigen Dressurpferde.
… dass Weltmeyer bis heute der erfolgreichste Champions-Macher auf dem Reitpferdeviereck ist?
1987 wurde in Vechta erstmals der Versuch unternommen, die Reitpferde nicht nur nach Kaliber in „leichte“ und „schwere“ Pferde zu unterteilen, sondern auch nach Alter in Drei- und Vierjährige. Dies entsprach dem Wunsch von Zuchtleitern, Reitern und Richtern, um dem naturgemäß unterschiedlichen Ausbildungsstand der Pferde besser gerecht zu werden. Am Ende wurde aber wieder nur ein Gesamtsieger gekürt: die damals vierjährige Hannoveraner Stute Bini Bo (v. Bolero). Der Blick aufs damalige Dreijährigen-Championat lohnt sich dennoch. Dieses gewann nämlich ein junger Landbeschäler namens Weltmeyer. Auch wenn der Hannoveraner Hengst selbst offiziell nie Bundeschampion wurde: mit acht schwarz-rot-gold-dekorierten Söhnen und Töchtern (sowie drei Enkeln) hält er bis heute den Rekord als „Bundeschampion-Macher“ bei den Reitpferden. Sieben Mal ist er darüber hinaus als Muttervater verzeichnet.
Und das sind seine erfolgreichen Nachkommen: Wittinger (1992), Weltbürger und Wolkenstein (1993), Wolkentanz (1994), Welt Hit O (1995), Wildrose und White Star (1996), Weltspitze v. Wittinger (1998), Wildest Dream v. Wolkenstein II (1999), Wakajama v. Wolkentanz I und Welt Hit VI (2001).
… dass nicht nur Dressurspezialisten bei den Reitpferden erfolgreich waren?
Am Reitpferdeplatz trifft man meist Zuchtinteressierte und Dressurfans. Die meisten der teilnehmenden Pferde führen bekannte Dressurhengste im Pedigree. Es gibt aber auch Ausnahmen. So im Jahr 1979. Hier holte sich Oldenburger Frisco 23 den Lorbeer. Er stammte ab vom Multi-Vererber Furioso II aus einer ebenfalls blutgeprägten Mutter von Chronos, Züchterin war Helga Toenjes aus Ganderkesee. Vorgestellt beim Bundeschampionat wurde Frisco von keinem Geringeren als dem damals bereits dreimaligen Olympiateilnehmer und Mannschaftseuropameister Vielseitigkeit, Horst Karsten.
... dass in diesem Jahr der 150. Reitpferde-Bundeschampion gesucht wird?
Seit der Premiere 1976 wurde 153 Mal der Titel des Bundeschampions vergeben. Berücksichtigt man, dass sieben Pferde ihren Sieg im Folgejahr wiederholen konnten, sind es aktuell 146 Reitpferde-Bundeschampions. Falls es keinen Wiederholer gibt, wird daher in diesem Jahr der 150. Champion gekürt.
Eine weitere Kuriosität in der Statistik: Dreimal gab es parallel zwei Champions in derselben Kategorie. 1993 teilten sich bei den Dreijährigen zwei später züchterisch erfolgreiche Hengste den Lorbeer: der Oldenburger Rohdiamant v. Rubinstein und der Hannoveraner Wolkenstein v. Weltmeyer. Beide kamen auf ein Endergebnis von 61,5 Punkten. Eine solche Pattsituation wiederholte sich auch fünf Jahre später. 1998 waren es der Rheinländer Roman Nature v. Rohdiamant und der Hannoveraner Dreamy’s Dream v. Dream of Glory, die beide Platz eins belegten. Im ersten Teil des Finales hatte Dreamy’s Dream noch um Haaresbreite die Nase vorne, im Fremdreitertest sorgte dann ein halber Punkt mehr für Roman Nature für den Ausgleich. Beide kamen auf jeweils 59,98 Punkte. Die letzte Doppelspitze gab es 2018 bei den vierjährigen Stuten und Wallachen. Hier musste das Finale der vierjährigen Stuten und Wallache geteilt werden, da ein Richter aus gesundheitlichen Gründen während der laufenden Prüfung ausfiel. Damit durften sich sowohl der Oldenburger Bitcoin OLD v. Bordeaux – Rubinstein I als auch die Finalqualifikationssiegerin Caty OLD v. Sir Donnerhall – Fürst Heinrich mit dem Titel schmücken. Übrigens: Caty OLD war bereits die dritte Bundeschampionesse nach ihren beiden Vollschwestern Cindy OLD und Candy OLD. Nummer vier, Casey OLD, komplettierte zwei Jahre später dann den Erfolg des Züchterhauses Wendeln in Garrel.
Von den „Zweimaligen“ unter den Bundeschampions machte der bayerische Hengst Lord Sinclair von Lanciano – Raueck (1997 und 1998) den Anfang, es folgten der Hannoveraner Hengst Rusty von Rubinstein – Weltmeyer (2003 und 2004), die Oldenburger Stute Silberaster OLD von Sandro Hit – Canaster I (2006 und 2007) sowie der Hannoveraner Hengst Lissaro van de Helle von Lissabon – Matcho x (2008 und 2009). Ihm gelang als Einzigem auch noch einen anschließender Sieg bei den fünfjährigen Dressurpferden 2010. Weiterhin doppelt gekrönt wurden die westfälische Stute Damon’s Divine von Damon Hill – Rubin-Royal (2009 und 2010), der westfälische Hengst Escolar von Estobar NRW – Fürst Piccolo (2012 und 2013) sowie zuletzt dessen Enkelin Eivissa, eine westfälische Rappstute von Escamillo – Wolkentanz I. Sie siegte 2022 und 2023.
… dass Holsteiner auch auf dem Viereck eine gute Figur machen?
Zugegeben, in Warendorf trifft man Holsteiner Pferde eher in Parcours oder Gelände an. 2011 sorgte allerdings der vierjährige Holsteiner Hengst Catoo v. Con Air – Caletto bei den Reitpferden für Aufsehen. Mit Markus Suchalla im Sattel setzte er sich gegen die Mitbewerber aus anderen Zuchtverbänden durch und wurde Bundeschampion. Er ist allerdings auch der (bisher) Einzige seiner Rasse. Übrigens: Im Laufe seiner weiteren Karriere blieb „Helenhof’s Catoo“ dem Viereck treu, wurde bis zur höchsten Klasse gefördert und zuletzt 2024 mit Rainer Schwiebert im Grand Prix erfolgreich. Als Vererber erwies sich Catoo als Mulitalent. Unter seinen Nachkommen finden sich gleichj mehrere Grand-Prix-Pferde, erfolgreiche Springpferde wie vereinzelt auch Vielseitigkeitspferde.
PM Pferdesport Deutschland/Hb
Informationen unter www.bundeschampionate-warendorf.de






























