Al Shira‘aa Bundeschampionate: Titel für Moon River und Flacon

Foto: Gut Neuenhofs Moon River, mit Danica Duen Bundeschampionesse der dreijährigen Stuten und Wallache, mit ihren Züchter Sandra und Dr. Axel Schürner. - Fotograf: (c) Equitaris/Gesine Grömping

Foto: Gut Neuenhofs Moon River, mit Danica Duen Bundeschampionesse der dreijährigen Stuten und Wallache, mit ihren Züchter Sandra und Dr. Axel Schürner. - Fotograf: (c) Equitaris/Gesine Grömping

Viel Neues bei den Bundeschampionaten der dreijährigen Reitpferde

 

Viele Neuerungen gab es bei den Bundeschampionaten der dreijährigen Reitpferde, an deren Ende sich die westfälische Stute Gut Neuenhofs Moon River und der Hannoveraner Hengst Flacon den Lorbeer sicherten.

 

Von A wie Ablauf bis Z wie Zeiteinteilung: Bei den Bundeschampionaten der dreijährigen Reitpferde war in diesem Jahr vieles neu. Statt einer Qualifikationsprüfung plus eines Finales gab es nur noch eine einzige entscheidende Prüfung für die Youngster, der eine „Pflicht-Gewöhnung“ und eine Gebäudebeurteilung an der Hand vorausgingen. Im Rahmen der Pflicht-Gewöhnung hatten die Pferde die Chance, sich in Dreiergruppen je eine Viertelstunde lang ohne Prüfungsdruck mit dem Reitpferdeviereck vertraut zu machen. Die Gebäudebeurteilung erfolgte in der Springhalle und wurde öffentlich kommentiert.

 

„Das hat besser funktioniert, als ich es erwartet hätte. Es war eine wirklich gute und ruhige Situation in der Halle und die Richter konnten sich Zeit nehmen“, sagte Carsten Grill, Vizepräsident Zucht von Pferdesport Deutschland. „Klar, der ursprüngliche Zweck, weniger Auftritte für die ganz jungen Pferde hat man dadurch jetzt nicht ganz erreicht. Aber es hat wirklich gut funktioniert. Wir haben jetzt zumindest eine gute Ausgangslage, um das Thema nochmal neu zu beleuchten. Jetzt werden wir uns ein Meinungsbild der Beteiligten einholen und das Ganze dann nach den Bundeschampionaten in Ruhe nochmal diskutieren.“

 

Titel für Gut Neuenhofs Moon River
Neu war auch die Zeiteinteilung. Die Entscheidung fiel nicht erst am Wochenende, sondern bereits am Donnerstag stand fest, wer die schwarz-rot-goldenen Schärpen bei den Dreijährigen erhält. Den Anfang machten die Stuten und Wallache. Hier bekamen die Zuschauer gleich in der ersten Abteilung die spätere Bundeschampionesse zu sehen: Gut Neuenhofs Moon River v. Maxim – Escolar, die eine sowohl mütterlicher- als auch väterlicherseits die Hengste des Gestüts Gut Neuenhof von Sandra und Dr. Axel Schürner im Pedigree führt. „So ein Sieg bei den Reitpferde-Bundeschampionaten, mit einem selbst gezogenen Pferd, das war immer mein Traum“, sagte Sandra Schürner. Die Hoffnung, aus ihrer Escolar-Stute Europa einmal ein Fohlen zu ziehen, hatte sie schon fast aufgegeben, berichtete sie. Und dann kam Moon River! „Für mich ist sie der Grund, warum wir Pferde züchten. Das ist für mich die Vollendung eines absolut außergewöhnlichen Pferdes“, schwärmte die Züchterin und Besitzerin von Moon River. „Sie hat ein unheimlich aktives Hinterbein und ist total klar im Kopf. Auf dem Vorbereitungsplatz war sie heute noch etwas aufgeregt. Aber Danica (Duen) sagte, beim Einreiten habe sie einmal ausgeatmet, als wolle sie sagen: ‚Okay, hier war ich schon mal, das kenne ich.“ Ùnd dann demonstrierte sie ihre herausragenden Grundgangarten, die den Richtern die Noten 9,0 für den Trab, 8,5 für den Galopp und die Höchstnote 10,0 für den Schritt wert waren. Dazu gab es 9,5 für die „natürliche Reiteignung“. Mit zusammen zehn Prozent flossen auch die Noten für die Gebäudebeurteilung am Vortag – 8,5 – sowie die Harmonie und Funktionalität unter dem Sattel – 9,0 – in die Endnote 9,15 für Gut Neuenhofs Moon River und ihrer Reiterin Danica Duen ein.

 

Secret-Nachkommen auf den Plätzen zwei und drei

Gleich doppelten Grund zur Freude hatten Sina Aringer als Reiterin und die Moormann-Hanke GbR als Besitzer von Sixpack und Spotlight, beides Nachkommen des Rapphengstes Secret, der selbst einst Zuschauermassen ans Reitpferdeviereck lockte. Der Hannoveraner Sixpack von Secret – Sir Donnerhall aus der Zucht von Mathias Schulze gefiel mit drei guten Grundgangarten, insbesondere einem gleichmäßig repetierenden, gut durchgesprungenen Bergaufgalopp als Highlight: 9,0 (Trab 8,8, Schritt 8,7). Bis auf kleine Spannungen zu Beginn zeigte auch der Fuchswallach eine gute natürliche Reiteignung (8,8), dazu gab es eine 7,8 für den Körperbau sowie eine 8,8 für die Harmonie und Funktionalität unter dem Sattel. Mit der Endnote 8,72 belegte er Platz zwei.

 

Die Bronzemedaille ging an die dynamisch und bereits gut ausbalancierte Oldenburger Landeschampionesse Spotlight (v. Secret – Fürst Romancier) aus der Zucht von Laura Brandenburg. Sie konnte sich am Ende der Prüfung mit der Gesamtnote 8,3 noch ganz knapp die Hannoveraner Stute Valeria Day (v. Vitalis – Don Nobless) vom Podium verdrängen und verhinderte damit, dass die erste Abteilung der Prüfung die ersten drei Plätze unter sich ausgemacht hätte. Für Valeria Day (Züchterin: Janina Janßen, Besitzer: Rothenberger Ventures GmbH) und ihre Reiterin Leslie Rohrbacher errechnete sich die Endnote 8,26.

 

Insgesamt standen 18 Pferde bei den Stuten und Wallachen auf der Startliste, zwei wurden allerdings von den Richtern ausgeschlossen, da sie den Aufgaben an diesem Tag augenscheinlich nicht gewachsen waren, ein weiteres Paar verzichtete auf den Start.

 

Flacon wird Bundeschampion der dreijährigen Hengste

Es war nicht der erste Bundeschampion, den Jacob Schenk bei den Bundeschampionaten präsentierte. Allerdings ist der schwarzbraune Flacon der erste, in der Familie selbst gezogene. Vater ist der For Romance I-Sohn Fontane, der sich ebenfalls im Besitz der Familie befindet, mehrfach S-gewonnen und ebenfalls Teilnehmer am Bundeschampionat war, Mutter Froopy stammt ab vom Floris Prince. Mit Topnoten für die Grundgangarten – Trab 8,50, Galopp 9,0 und 8,0 – überzeugte der Schwarzbraune ebenso wie durch seine natürliche Reiteignung (8,4), das Gebäude (8,1) und die Funktionalität unter dem Sattel. Mit einem Endergebnis von 8,46 war dem eingeschworenen Paar der Sieg nicht zu nehmen. „Ich kenne Flacon von Geburt an und er war irgendwie schon immer ein auffälliges Pferd. Ich habe ihn selbst angeritten, da saß noch niemand anderes drauf. Mit ihm hier zu gewinnen, macht das Ganze noch etwas besonderer“, sagte Jacob Schenk nach seinem Sieg und nannte die besonderen Vorzüge seines rund 1,78 Meter großen Hannoveraners. „Er ist sehr menschenbezogen, immer sehr bemüht in der Arbeit alles richtig zu machen, immer gehfreudig und motiviert.“

 

Nur Nuancen in der Endnote auseinander rangierten die Hengste auf den Plätzen zwei bis vier. Silber ging an den in Brandenburg-Anhalt gezogenen DSP-Champion DSP Québec v. Quaterback – Fidertanz, der von Leslie Rohrbacher für die Rothenberger Ventures GmbH vorgestellt wurde. Der Fuchshengst aus der Zucht von Lutz Jaap imponierte den Richtern insbesondere im Trab (8,7) und Galopp (9,5), überzeugte aber auch durch gute Reiteignung und Funktionalität unter dem Sattel. Endnote: 8,38.

 

Die Bronzemedaille ging an den Oldenburger Obsidian Cadillac v. Obsession Taonga – De Niro. Der Rapphengst aus der Zucht von Karsten Schuck kam mit seinem Reiter Davic Taylor auf ein Endergebnis von 8,33. Damit beendete er die Prüfung knapp vor Hannu Haakon, zweiter Reservesieger der Trakehner Hengstkörung, mit dessen Bewertung, insbesondere für den Schritt, nicht alle im Publikum einverstanden waren und dies auch mit Pfiffen kundtaten. Insgesamt standen elf dreijährige Hengste auf der Starterliste, zwei verzichteten auf den Start.

 

Auch in diesem Jahr wurde beim "Finale" wieder der BMLEH-Tierschutzpreis, ein Sonderehrenpreis für besonders pferdegerechtes Reiten des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat vergeben. In der Kategorie Stuten und Wallache ging dieser an Julia Große-Geldermann für die Vorbereitung und Vorstellung der Westfalen Stute Fräulein Bonds (v. Flashbang - Bonds) sowie in der Kategorie Hengste an Jakob Reglauer und den DSP-Hengst Felicius (v. Feliciano - Don Martillo).

 

PM Pferdesport Deutschland/Hb

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