Foto: Bei der Jubiläumsveranstaltung in Warendorf wurden Pferdebetriebe mit einer Urkunde ausgezeichnet, die seit 25 Jahren oder länger Mitglied im Verband sind - Fotograf: © Pferdesport Deutschland
Gemeinsam die Zukunft gestalten
Ein Jubiläum, viele Zukunftsthemen und ein deutliches Signal der Zuversicht: Die Pferdebetriebe bei Pferdesport Deutschland haben am Wochenende in Warendorf ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Vertreter aus ganz Deutschland nutzten die Veranstaltung für den Blick zurück auf drei erfolgreiche Jahrzehnte, den fachlichen Austausch und die Diskussion über die Herausforderungen und Chancen der kommenden Jahre.
Einen Rückblick auf die Anfänge gab Ralf Hamacher, der maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass kommerzielle Pferdebetriebe innerhalb der FN eine Heimat fanden. Er erinnerte an die erste Mitgliederversammlung am 5. Juni 1996. Damals musste zunächst geklärt werden, ob die Aufnahme von Betrieben mit dem Status eines eingetragenen Vereins vereinbar sei. Der damalige FN-Präsident Dieter Graf Landsberg-Velen brachte die Lösung auf den Punkt: „Unsere Satzung mussten wir nicht ändern.“
Im Mittelpunkt der Tagung standen aktuelle Entwicklungen in der Pferdewirtschaft und deren Auswirkungen auf die Betriebe. Prof. Dr. Dirk Winter, Studiendekan Pferdewirtschaft an der Hochschule Nürtingen, zeigte die Chancen der Digitalisierung auf. Automatisierte Fütterungs- und Entmistungssysteme könnten nicht nur Arbeitszeit sparen, sondern auch das Wohlbefinden der Pferde verbessern. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels werde der Einsatz technischer Lösungen in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
Dr. Karsten Zech vom Pferdegesundheitsdienst des LUFA Nord-West Instituts für Tiergesundheit erläuterte aktuelle Anforderungen an die Pferdehaltung und beleuchtete die Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten anhand praxisnaher Beispiele. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie Betriebe die Anforderungen an eine zeitgemäße und pferdegerechte Haltung umsetzen können.
Einen Blick in die Zukunft warf anschließend Dr. Katharina Wiegand vom HorseFuturePanel. Ihre Prognose: Die Branche steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Die Zahl der Pferde, Reiter, Turnierreiter und Züchter ist tendenziell rückläufig, während steigende Kosten, gesellschaftlicher Wandel und veränderte Freizeitgewohnheiten die Entwicklung der kommenden Jahre prägen werden. Auch der Pferdebestand könnte künftig deutlich sinken. Derzeit werden in Deutschland rund 1,07 Millionen Pferde gehalten. Nach Einschätzung von Wiegand könnte diese Zahl bis 2030 wieder unter eine Million fallen.
Als Ursachen nannte sie steigende Kosten, gesellschaftliche Veränderungen und einen rückläufigen Nachwuchs im Pferdesport. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass die Zukunft nicht festgeschrieben sei. Trends wie Naturerlebnisse, Gesundheit, Bildung und tiergestützte Angebote eröffneten neue Chancen für Betriebe und Vereine.
Auch die Entwicklung der Futterpreise beschäftigte die Teilnehmer. Der überdurchschnittlich warme und trockene Sommer dürfte die Kosten weiter steigen lassen. Jens Lyke, Fachberater für Pferdefütterung, zeigte verschiedene Möglichkeiten auf, wie Betriebe wirtschaftlicher arbeiten können. Dazu gehörten unter anderem ein gezielter Einsatz von Futtermitteln, die Überprüfung bestehender Fütterungskonzepte sowie die Nutzung kostengünstigerer Bezugsformen, etwa bei pelletierten Mischfuttern. Ziel sei es, die Futterkosten zu optimieren, ohne dabei Abstriche bei der Versorgung der Pferde zu machen.
Dass die Inhalte der Veranstaltung bei den Teilnehmern gut ankamen, zeigte auch das Feedback einer Teilnehmerin. Sie bedankte sich für ein „fachlich und personell hervorragendes Seminar“ und bezeichnete das Wochenende trotz einer langen Anreise als „tolles lehrreiches Wochenende mit vielen Einblicken und Ausblicken, die Mut gemacht haben, nicht aufzugeben“.
„Heute war deutlich zu spüren, dass die Herausforderungen angenommen und in positive Entwicklungen für die Zukunft überführt werden“, zog Thomas Ungruhe, Leitung Team Pferdesportentwicklung bei Pferdesport Deutschland, ein positives Fazit. Neben dem Blick nach vorn sei auch die große Erfahrung innerhalb der Branche deutlich geworden. „Addiert man die Erfahrungen aller Anwesenden, kommen wir auf weit über 1.000 Jahre Pferdehaltung“, sagte Ungruhe. Trotz aller Herausforderungen überwog die Zuversicht: „Das macht uns stark für die Zukunft. Und die Herausforderungen, die vor uns liegen, nehmen wir auch an.“
Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung wurden zudem langjährige Mitgliedsbetriebe ausgezeichnet. Für 30 Jahre Mitgliedschaft ehrte Pferdesport Deutschland den Kiefferhof (Ruppichteroth), Stall Michelsberg (Bad Münster) und Stall Gröpper (Hörstel). Weitere Ehrungen gingen an den Pferdehof Zislow, den Pferdebetrieb Volmer, den Reiterhof Marten, den Reiter- und Ferienhof Zum Hochscheid, den Reit- und Zuchtbetrieb Marschalk-Pecksen, den Reiterhof Schuir sowie die Reitanlage Gut Kückshausen.
Eines wurde bei der Veranstaltung besonders deutlich: Trotz aller Herausforderungen blickt die Branche mit Zuversicht nach vorn. Das Pferd genießt in der Bevölkerung weiterhin hohe Sympathiewerte und bietet damit beste Voraussetzungen, auch künftig Menschen für Pferdesport und Pferdehaltung zu begeistern.
Pferdesport Deutschland/fels





























